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Schimmel messen: Methoden, Ablauf und was die Werte bedeuten

Schimmel selbst lässt sich mit keinem Handgerät direkt messen. Gemessen werden die Bedingungen, unter denen er wächst – vor allem die Luftfeuchte und die Oberflächentemperatur der Wand – und bei Verdacht auf versteckten Befall die Sporen in Raumluft und Material im Labor. Jede einzelne Messung ist dabei nur eine Momentaufnahme: Ob ein Bauteil oder das Heiz- und Lüftungsverhalten den Schimmel verursacht, zeigt erst eine zeitgleiche Messung über mehrere Wochen. Als Experte für Feuchteschäden erkläre ich Ihnen, welche Methode was verrät, wo die Grenzen der Schnelltests liegen und wie eine professionelle Schimmelmessung abläuft.

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Welche Methoden gibt es, um Schimmel zu messen?

Schimmel messen bedeutet je nach Frage etwas anderes. Wer wissen will, ob eine Wohnung gefährdet ist, misst das Raumklima. Wer einen Verdacht bestätigen will, nimmt Proben aus der Luft oder vom Material und lässt sie im Labor auswerten. Und wer einen versteckten Befall oder die Ursache sucht, braucht Messtechnik, die in die Wand hineinschaut, und Zeit.

Die Methoden bauen aufeinander auf: Das Raumklima zeigt das Risiko, die Probe den Befall, die Messtechnik den Ort und die Langzeitmessung die Ursache. Keine davon ersetzt die andere – sie beantworten verschiedene Fragen.

Raumklima messen: Luftfeuchte und Wandtemperatur

Das Raumklima zu messen ist der einfachste Einstieg und gleichzeitig die Grundlage jeder weiteren Untersuchung. Schimmel braucht Feuchtigkeit; ohne erhöhte Feuchte an einer Oberfläche wächst er nicht.

Welche Luftfeuchte zeigt das Hygrometer an – und ab wann wird es kritisch?

Ein digitales Hygrometer misst die relative Luftfeuchte im Raum. Im Wohnbereich sollte sie dauerhaft zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Steigt sie länger über 60 Prozent, ist Lüften angesagt; ab etwa 70 Prozent wird es für Schimmel kritisch. Wie Sie die Werte durch Lüften wieder senken, lesen Sie im Beitrag Wohnung und Haus richtig lüften.

Ein Hygrometer im Regal hat allerdings einen blinden Fleck: Es misst die Luft in der Raummitte, nicht an der kalten Außenecke. Dort kann die Feuchte deutlich höher sein, obwohl das Gerät unauffällige Werte zeigt.

Warum die Oberflächentemperatur der Wand entscheidet

Kühlt Raumluft an einer kalten Wand ab, steigt dort ihre relative Feuchte. Ein Rechenbeispiel: Bei 20 Grad Raumluft und 50 Prozent Luftfeuchte erreicht die Luft direkt an einer Wand mit 12,6 Grad bereits 80 Prozent Feuchte. Tauwasser bildet sich erst bei rund 9,3 Grad – Schimmel braucht es aber nicht. Liegt die Feuchte an der Oberfläche über Wochen bei 80 Prozent oder darüber, ist mit Schimmelwachstum zu rechnen.

Deshalb gehört zur Klimamessung immer die Wandtemperatur. Ein Infrarot-Thermometer oder ein Funksensor mit Anlegefühler zeigt, welche Stellen zu kalt sind – typischerweise Außenecken, Fensterlaibungen und Wandflächen hinter Möbeln.

Wer selbst messen möchte, sollte nicht nur die Raumluft prüfen, sondern die Wand. Ein einfaches Infrarot-Thermometer an der kalten Ecke sagt mehr als jedes Hygrometer im Regal: Liegt die Oberfläche bei normal beheizter Raumluft um 20 Grad deutlich unter 13 Grad, ist diese Stelle gefährdet – ganz gleich, was das Hygrometer anzeigt.

Georg Zischka, Klima Center

Schimmeltests: Proben aus Luft, Oberfläche und Material

Schimmeltests weisen nach, ob und welcher Schimmel vorhanden ist. Sie kommen ins Spiel, wenn ein Befall vermutet wird, aber nicht sichtbar ist, oder wenn geklärt werden soll, um welche Pilzart es sich handelt.

Petrischalen-Test aus dem Baumarkt: was er taugt

Beim Sedimentationstest stehen offene Nährböden einige Zeit im Raum; Sporen aus der Luft setzen sich ab und wachsen in den Tagen danach sichtbar heran. Das Ergebnis ist leider wenig aussagekräftig. Schimmelsporen sind immer in der Luft, auch in einwandfreien Wohnungen. Ohne Vergleich mit der Außenluft und ohne definiertes Luftvolumen lässt sich aus ein paar Kolonien weder eine Belastung noch ein Befallsort ableiten.

Abklatsch- und Klebefilmproben

Bei sichtbaren Flecken lässt sich direkt an der Stelle eine Probe nehmen: Ein Nährboden wird auf die Fläche gedrückt oder ein Klebefilm abgezogen. Im Labor zeigt die Auswertung unter dem Mikroskop oder nach Anzucht, ob es sich tatsächlich um Schimmel handelt und welche Gattung wächst.

Material- und Staubproben

Eine kleine Materialprobe aus Putz, Tapete oder Dämmung zeigt, ob das Bauteil selbst befallen ist und wie tief der Pilz reicht. Staubproben aus dem Wohnbereich geben Hinweise auf eine länger andauernde Belastung. Beides wird in einem Umweltlabor ausgewertet.

Luftkeimmessung mit Außenluft-Referenz

Bei der Luftkeimmessung saugt ein Probenahmegerät eine festgelegte Luftmenge an und schlägt die Sporen auf Nährböden oder Filtern nieder. Aussagekräftig wird das Ergebnis erst durch eine Referenzprobe der Außenluft, die zur gleichen Zeit genommen wird: Liegen innen deutlich mehr oder andere Sporen vor als draußen, deutet das auf eine Quelle im Gebäude hin. Wir orientieren uns dabei am Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes von 2017; die Gesamtsporen-Sammlung folgt der Norm ISO 16000-20.

MVOC: Gerüche messen

Schimmel gibt flüchtige Stoffwechselprodukte ab, sogenannte MVOC. Sie verursachen den typisch muffigen Geruch und lassen sich auch dann nachweisen, wenn der Befall hinter Verkleidungen oder in der Dämmung sitzt. Eine MVOC-Messung grenzt den Verdacht ein, sagt aber nicht, wo genau der Schimmel wächst. Mehr zu Geruch und Geruchsbeseitigung finden Sie unter modriger Geruch nach Wasserschaden.

Versteckten Schimmel finden: Messtechnik vom Profi

Sitzt der Schimmel hinter Verkleidungen, unter dem Boden oder in der Dämmschicht, hilft nur Messtechnik, die ohne Aufstemmen in das Bauteil hineinschaut. Sie findet nicht den Schimmel selbst, sondern die Feuchte und die kalten Stellen, an denen er wächst.

Thermografie: Wärmebrücken sichtbar machen

Eine Wärmebildkamera zeigt die Temperaturverteilung einer Fläche als Farbbild. Kalte Bereiche – etwa an Fensteranschlüssen, Rollladenkästen oder Deckenecken – fallen sofort auf. Die Thermografie ist eine Momentaufnahme und braucht einen ausreichenden Temperaturunterschied zwischen innen und außen, ist also vor allem in der Heizperiode aussagekräftig.

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Feuchtemessung im Bauteil

Elektronische Feuchtemessgeräte erfassen die Materialfeuchte in Putz, Mauerwerk oder Estrich. Kapazitive Geräte messen zerstörungsfrei einige Zentimeter tief, für Detailfragen kommen Sonden oder Bohrkernproben hinzu. Eine nasse Wand muss nicht von außen kommen: Auch eine undichte Leitung kann die Feuchtequelle sein – dann ist eine Leckortung der nächste Schritt.

Wie läuft eine professionelle Schimmelmessung ab?

Eine professionelle Schimmelmessung folgt einer festen Reihenfolge: erst verstehen, dann messen, dann Proben nehmen und erst am Ende bewerten. So kommt man von der Vermutung zum Befund.

  1. Gespräch: Wann ist der Schimmel aufgetreten, wie wird geheizt und gelüftet, gibt es Geruch oder Beschwerden?
  2. Begehung: Sichtprüfung der betroffenen Räume, besonders von Außenecken, Fensterstürzen, Kellerwänden und Flächen hinter Möbeln.
  3. Messung vor Ort: Raumklima, Oberflächentemperatur, Materialfeuchte und bei Bedarf Thermografie – zerstörungsfrei.
  4. Probenahme: Luftkeimmessung mit Außenluft-Referenz, Material- oder Oberflächenproben, wenn ein versteckter Befall oder die Pilzart geklärt werden soll.
  5. Laboranalyse: Anzucht oder Mikroskopie bestimmt Gattung und Menge der Schimmelpilze.
  6. Bewertung: Ein schriftlicher Bericht fasst Messwerte und Laborergebnisse zusammen, ordnet die Ursache ein und gibt eine Empfehlung für die Sanierung.

Bleibt nach dem Vor-Ort-Termin offen, ob das Bauteil oder die Nutzung die Ursache ist, schließt sich eine Langzeitmessung an. Was ein solches Gutachten kostet und wer es bezahlt, haben wir im Beitrag Schimmelgutachten zusammengefasst.

Warum eine Einzelmessung die Ursache nicht klärt

Eine Begehung zeigt den Zustand eines Nachmittags. Ob die Ecke kalt ist, weil das Bauteil eine Wärmebrücke hat, oder weil an diesem Tag wenig geheizt wurde, lässt sich daraus nicht ablesen. Die Ursache wird erst sichtbar, wenn Wandoberfläche, Raumluft, Außenklima und Nutzerverhalten zur gleichen Zeit über mehrere Wochen aufgezeichnet werden.

Erklärvideo: So funktioniert die Langzeitmessung mit Datenloggern.

Wie eine Langzeitmessung mit Datenloggern funktioniert

Bei unserer Langzeitmessung bringen wir in der Wohnung ein Netz kleiner, batteriebetriebener Datenlogger an – in der Regel neun oder mehr. Sie zeichnen im 10-Minuten-Raster Temperatur und Luftfeuchte auf, alle mit synchronen Uhren. Die Messung läuft mindestens vier Wochen in der Heizperiode, denn nur dann entstehen die Temperaturunterschiede, die zur Bewertung nötig sind. Die Wohnung wird währenddessen ganz normal genutzt; Bohrlöcher oder Kabel sind nicht nötig.

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Welche Messpunkte welche Frage beantworten

  • Schadstelle: Sonde direkt auf der Wand – wie kalt wird die Oberfläche wirklich?
  • Luft vor der Schadstelle: zehn Zentimeter vor der Wand – wie feucht ist die Luft, die die Wand erreicht?
  • Raumluft: in 1,1 bis 1,5 Metern Höhe – wie hoch ist die Feuchtelast im Raum?
  • Ungestörte Außenwand: verhält sich die Wand überall so, oder ist nur die Schadstelle auffällig?
  • Außenklima: geschützt auf der Nordseite – ohne Außentemperatur keine Bewertung des Bauteils.
  • Referenzraum und Feuchtequelle: ein Raum ohne Schaden sowie Bad oder Küche – betrifft es die ganze Wohnung?
  • Fenster und Heizkörper: Fensterkontakt und Vorlaufsonde protokollieren, wann gelüftet und geheizt wird.

Wie aus den Kurven eine Ursache wird

Aus Wandtemperatur, Raumluft und Außenluft ergibt sich der Temperaturfaktor fRsi. Liegt er unter dem Mindestwert von 0,70 nach DIN 4108-2, ist die Stelle eine Wärmebrücke und das Bauteil die Ursache. Liegt er darüber, ist das Bauteil in Ordnung – dann zeigen Feuchtelast sowie Lüftungs- und Heizprotokoll, ob die Nutzung den Schimmel erklärt. Die Feuchte an der Wandoberfläche bewerten wir in Anlehnung an DIN EN ISO 13788 über Monatsmittelwerte, nicht über einzelne Ausreißer.

Ein typischer Fall aus der Praxis: Eine Hausverwaltung hatte nach einer Kurzbegehung zwei Aussagen auf dem Tisch – der Mieter verwies auf die kalte Außenecke, der Vermieter auf zu seltenes Lüften. Erst die vierwöchige Messung zeigte, dass die Ecke auch bei regelmäßigem Heizen und Lüften deutlich kälter blieb als der Rest der Wand. Damit war die Streitfrage nicht mehr Aussage gegen Aussage, sondern mit Messwerten beantwortet. Welche Rechte und Pflichten Mieter und Vermieter in einem solchen Fall haben, lesen Sie unter Schimmel in der Mietwohnung.

Selbst messen oder Experten beauftragen?

Selbst messen lohnt sich zur Vorbeugung: Hygrometer und Infrarot-Thermometer kosten wenig und zeigen früh, ob Luftfeuchte oder kalte Stellen ein Risiko darstellen. Für die Frage, ob bereits Schimmel wächst, woher er kommt und wer dafür verantwortlich ist, reichen sie nicht aus.

Einen Experten sollten Sie hinzuziehen, wenn der Schimmel immer wieder an derselben Stelle auftritt, wenn es muffig riecht, ohne dass ein Fleck zu sehen ist, wenn Bewohner gesundheitlich empfindlich sind oder wenn Mieter und Vermieter über die Ursache streiten. Wie gefährlich ein Befall für die Gesundheit sein kann, erklärt der Beitrag Wie gefährlich ist Schimmel?; typische Ursachen und Vorbeugung finden Sie unter Schimmel an der Wand.

In Rosenheim, München und Umgebung übernimmt unser Schimmelgutachter die Messung mit Datenloggern, Thermografie und Laborproben; auf Wunsch kümmern wir uns auch um die Schimmelbeseitigung in Rosenheim. Schimmelmessung anfragen »

Häufige Fragen zum Schimmel messen

Kann man Schimmel mit einem Messgerät messen?

Nicht direkt. Handgeräte messen die Bedingungen, unter denen Schimmel wächst: Luftfeuchte, Oberflächentemperatur und Materialfeuchte. Ob tatsächlich Schimmel vorhanden ist und welche Art, zeigen erst Luft-, Oberflächen- oder Materialproben im Labor.

Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Wohnung zu hoch?

Im Wohnbereich sollte die relative Luftfeuchte dauerhaft zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Ab 60 Prozent sollten Sie lüften, ab etwa 70 Prozent wird es für Schimmel kritisch. Entscheidend ist zusätzlich die Feuchte direkt an kalten Wandflächen: Liegt sie über Wochen bei 80 Prozent, ist mit Schimmel zu rechnen.

Wie aussagekräftig sind Schimmeltests aus dem Baumarkt?

Wenig. Petrischalen-Tests fangen Sporen aus der Raumluft auf, doch Sporen sind immer in der Luft. Ohne definiertes Luftvolumen und ohne Vergleich mit der Außenluft lässt sich daraus weder eine Belastung noch der Ort eines Befalls ableiten.

Was ist eine Luftkeimmessung?

Ein Probenahmegerät saugt eine festgelegte Luftmenge an und sammelt die Schimmelsporen auf Nährböden oder Filtern. Zeitgleich wird eine Referenzprobe der Außenluft genommen. Liegen innen deutlich mehr oder andere Sporen vor als draußen, deutet das auf eine Quelle im Gebäude hin.

Wie findet man versteckten Schimmel?

Über Hinweise wie muffigen Geruch und über Messtechnik: Thermografie zeigt kalte Stellen, Feuchtemessgeräte nasse Bauteile, eine MVOC-Messung grenzt den Verdacht über Stoffwechselprodukte des Schimmels ein. Material- und Luftkeimproben bestätigen den Befall im Labor.

Warum dauert eine Langzeitmessung vier Wochen?

Eine Einzelmessung zeigt nur einen Moment. Erst über mehrere Wochen in der Heizperiode lassen sich Bauteil, Heizen, Lüften und Außenklima gegeneinander abgrenzen. Dafür zeichnen neun oder mehr Datenlogger zeitgleich im 10-Minuten-Raster auf, und die Bewertung stützt sich auf Monatsmittelwerte.

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Autor: Georg Zischka

Als Experte für Wasserschäden, Schimmel und Bautrocknung im Großraum München und Rosenheim hilft er seinen Kunden bei Gutachten, Beratung und der Schadensbeseitgung. Georg Zischka ist ein Zertifizierter Sachverständiger Gutachter mit über 20 Jahren Berufserfahrung. Kontaktieren Sie ihn für eine kompetente Unterstützung bei Feuchtigkeit.

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Ratgeber Wasserschaden, Bautrocknung & Schimmel